In der aktuellen Schuldiskussion läuft alles auf eine Entscheidung zwischen zwei Lösungen hinaus:
a) die Gesamtschule wird sechszügig (statt aktuell vierzügig). Die Realschule bekommt keine neuen Eingangsklassen und läuft zweizügig solange weiter, bis die jetzigen Schüler der 5. Klasse ihren Abschluss der 10. Klasse in der Tasche haben.
Vorteil dieser Lösung ist:
- alle Schüler mit „Hauptschulempfehlung“ bekommen einen Schulplatz in der Gesamtschule und müssen nicht mehr in andere Schulorte fahren
Nachteil dieser Lösung:
- eine Schulform fällt weg; es bleiben für die Sekundarstufe I (Klassen 5 – 10) nur zwei Schulen in Geilenkirchen übrig, nämlich die Gesamtschule und das Gymnasium
b) die Gesamtschule bleibt vierzügig erhalten; die Realschule läuft zweizügig weiter.
Vorteil dieser Lösung ist:
- Geilenkirchen behält eine differenzierte Schullandschaft
Nachteil dieser Lösung ist:
- Geilenkirchen hat keinen Platz für Schüler, die nach der Orientierungsphase (Klassen 5 und 6) in der Realschule nicht mehr mitkommen und in eine andere Schulform (Hauptschule oder Gesamtschule) wechseln müssen; die Hauptschule in Gangelt existiert nicht mehr, Geilenkirchen hat selbst keine Hauptschule, und die Gesamtschule würde mit Recht sagen: Sorry, unsere Klassen sind voll.
Moment mal, werden jetzt einige rufen: was ist denn mit den Schülern, die nach der 6.Klasse oder später aus dem Gymnasium auf eine andere Schule wechseln wollen? Wohin können die denn bei Lösung (a) gehen, wenn es keine Realschule mehr gibt? Antwort: Für sechs Jahre steht solchen Schülern die Realschule noch bis zum Abschluss der Klasse 10 offen; danach hätte die sechszügige Gesamtschule ausreichend Kapazitäten, um diese Schüler aufzunehmen;
Moment mal, werden andere rufen: Was ist denn mit einer Sekundarschule, die dreizügig laufen und allen Schülern mit „Hauptschulempfehlung“ ausreichend Platz bieten würde? Wäre die nicht die Lösung aller vorgenannten Nachteile? Antwort: Theoretisch ja, praktisch aber nein. Denn sie müsste zwingend dreizügig laufen. Die Schülerzahlen gehen aber in den nächsten Jahren so weit zurück, dass sich die Sekundarschule mit 3 Zügen, die Gesamtschule mit 4 Zügen (Pflicht!) und das Gymnasium mit 5 Zügen um die Schüler schlagen würden. Jedes Jahr würde eine Zitterpartie darüber stattfinden, wer denn seine Pflichtzahl an Zügen noch einhalten kann. Mittelfristig würde eine Schule (Gesamtschule oder Sekundarschule) verschwinden müssen. Nehmen wir als Beispiel den Jahrgang 2012/2013: 250 Schüler werden in die 5. Klassen drängen. Davon wählen 31% das Gymnasium, das sind 78 Schüler. Der Rest müsset sich auf 7 Eingangsklassen (4 Gesamt-, 3 Sekundarschule) verteilen. Das sind im Mittel 24,5 Schüler pro Klasse. In 5 Jahren würde diese Zahl auf 23,5 Schüler pro Klasse sinken. Das macht der Gesetzgeber nicht mehr mit: Aus für eine der Schulen.
Daher meine durch Zahlen gestützte Sicherheit, dass es letztlich um die Varianten (a) oder (b) gehen wird. Der Rat wird am 14.12. zwischen zwei Prinzipien zu wählen haben:
Prinzip 1: Geilenkirchen bietet allen in Geilenkirchen lebenden Schülern auf allen Niveaus einen Schulplatz in den Stadtgrenzen (Ausnahme: Förderschulen). Die Folgerung: sechszügige Gesamtschule, Auslaufen der Realschule; nach deren Auslaufen 200.000,-- Euro mehr Schlüsselzuweisung vom Land (weil Gesamtschule = Ganztagsschule)
Prinzip 2: Geilenkirchen behält eine möglichst vielfältige Schullandschaft mit Ganztagsschule und Halbtagsschulen mit offenem Ganztag Die Folgerung: Realschule läuft zweizügig weiter, Gesamtschule läuft vierzügig weiter; Verzicht auf 200.000,-- mehr Schlüsselzuweisung (Realschule weiterhin nur offener Ganztag); Abgänger aus der Realschule in die Hauptschule müssen nach Übach-Palenberg fahren (nächstliegende verbleibende Hauptschule).
In das Abwägen zwischen diesen zwei Prinzipien müssen auch Fragen aufgenommen werden wie „Welches Image soll Geilenkirchen als Schulstadt haben?“ und „Was geschieht, wenn nur noch Kinder für fünf Eingangsklassen (neben dem Gymnasium) da sind?“, also die Frage nach der Nachhaltigkeit der Entscheidung.
Im Rathaus warten wir jetzt mit Spannung auf die Auswertung der Fragebögen, die alle Eltern der Schulkinder in den Klassen 1 – 4 bekommen haben. Schade war, dass von ca. 1000 angeschriebenen Eltern nur ca. 30 am 5.12. den Weg zum Elternabend gefunden haben, bei dem die Schulformen ausführlich dargestellt wurden. Für viele Stadtverordnete wird – über alle Parteigrenzen hinweg – die Auswertung der Fragebögen ausschlaggebend für die eigene Entscheidung am 14.12. sein.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Schulpolitik lokal – Welches Prinzip ist das wichtigere?
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